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<title>Hellmuth Costard</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Hellmuth Costard</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Hellmuth Costard</b> (* <a href="1._November" title="1. November">1. November</a> <a href="1940" title="1940">1940</a> in <a href="Holzhausen_(Leipzig)" title="Holzhausen (Leipzig)">Holzhausen bei Leipzig</a>; † <a href="12._Juni" title="12. Juni">12. Juni</a> <a href="2000" title="2000">2000</a> in <a href="Oberhausen" title="Oberhausen">Oberhausen</a>) war ein deutscher Filmregisseur.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Leben">Leben</h2></div>
<p>Costard war der Sohn des Chemikers Dr. Curt Costard und seiner Frau Käthe. 1946 erfolgte die Übersiedelung nach <a href="Hamburg" title="Hamburg">Hamburg</a> und 1952 nach <a href="Bad_Wildungen" title="Bad Wildungen">Bad Wildungen</a>, wo er das Gustav-Stresemann-Gymnasium besuchte. Ab 1962 studierte er Psychologie an der <a href="Universit%C3%A4t_Hamburg" title="Universität Hamburg">Universität Hamburg</a>. Mitte der 60er-Jahre begann er, im Rahmen des Arbeitskreises Film und Fernsehen an der Universität Hamburg (AKFF) erste Kurzfilme zu drehen. 1968 gründete er mit anderen Hamburger Filmmachern wie <a href="Helmut_Herbst" title="Helmut Herbst">Helmut Herbst</a>, <a href="Thomas_Struck" title="Thomas Struck">Thomas Struck</a>, <a href="Werner_Nekes" title="Werner Nekes">Werner Nekes</a>, <a href="Dore_O." title="Dore O.">Dore O.</a>, <a href="Klaus_Wyborny" title="Klaus Wyborny">Klaus Wyborny</a> und <a href="Heinz_Emigholz" title="Heinz Emigholz">Heinz Emigholz</a> die Hamburger Filmmacher Cooperative, die sich das amerikanische New Cinema zum Vorbild nahm und gegen „den Schwachsinn der etablierten Filmindustrie“ antrat.
</p><p>1968 sorgte Costard für einen Skandal auf den <a href="Internationale_Kurzfilmtage_Oberhausen" title="Internationale Kurzfilmtage Oberhausen">Kurzfilmtagen</a> in Oberhausen: Sein Film <i><a href="Besonders_wertvoll" title="Besonders wertvoll">Besonders wertvoll</a></i> zeigt einen <a href="Penis" title="Penis">Penis</a>, der
die Rede des CDU-Bundestagsabgeordneten <a href="Hans_Toussaint" title="Hans Toussaint">Hans Toussaint</a> zum neuen Filmförderungsgesetz vorträgt. Die Festivalleitung weigerte sich, den Film zu zeigen, obwohl ihn der Auswahlausschuss – dem u. a. die Journalisten <a href="Wolfram_Sch%C3%BCtte" title="Wolfram Schütte">Wolfram Schütte</a>, <a href="Enno_Patalas" title="Enno Patalas">Enno Patalas</a> und <a href="Uwe_Nettelbeck" title="Uwe Nettelbeck">Uwe Nettelbeck</a> angehörten – angenommen hatte. Nettelbeck hatte zudem in der Wochenzeitung <i><a href="Die_Zeit" title="Die Zeit">Die Zeit</a></i> einen Artikel veröffentlicht, der für Costard Partei nahm.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
Fast alle deutschen Regisseure zogen daraufhin ihre Beiträge zurück, der Schriftsteller <a href="Peter_Handke" title="Peter Handke">Peter Handke</a> verließ aus Protest gegen die Absage der Filmvorführung die Jury, der Filmemacher <a href="Werner_Herzog" title="Werner Herzog">Werner Herzog</a> dagegen wollte weiter am Festival teilnehmen. Erst nach heftigen Diskussionen und einer Intervention des Festivalleiters <a href="Hilmar_Hoffmann" title="Hilmar Hoffmann">Hilmar Hoffmann</a> konnte das Festival fortgesetzt werden. <i>Besonders wertvoll</i> wurde inzwischen zum <a href="Studienkreis_Film" title="Studienkreis Film">Studienkreis Film</a> an der <a href="Ruhr-Universit%C3%A4t_Bochum" title="Ruhr-Universität Bochum">Ruhr-Universität Bochum</a> geschafft, wo er entgegen der angeordneten Beschlagnahmung doch noch gezeigt werden konnte, weil der damalige <a href="Rektor" title="Rektor">Rektor</a> <a href="Kurt_Biedenkopf" title="Kurt Biedenkopf">Kurt Biedenkopf</a> der Legende nach der <a href="Staatsanwaltschaft" title="Staatsanwaltschaft">Staatsanwaltschaft</a> den Zutritt zum <a href="Campus_(Universit%C3%A4t)" class="mw-redirect" title="Campus (Universität)">Campus</a> verweigerte.
</p><p>Costard wurde in der Folge vorübergehend zum bekanntesten Vertreter des <a href="Neuer_Deutscher_Film" title="Neuer Deutscher Film">Neuen Deutschen Films</a> und einem der prominentesten Vertreter des deutschen <a href="Experimentalfilm" title="Experimentalfilm">Experimentalfilms</a>. Seine weiteren Filme entstanden meist im Auftrag des Fernsehens. Dazu gehört der Film <i>Fußball wie noch nie</i>, in dem die Kamera während der gesamten Länge eines Fußballspiels den britischen Spieler <a href="George_Best" title="George Best">George Best</a> beobachtet. Er beschäftigte sich intensiv mit der Entwicklung eines <a href="Super_8_(Filmformat)" title="Super 8 (Filmformat)">Super-8-Kamerasystems</a>, das vollsynchrone Tonaufnahmen ermöglichte. In der Super8-Produktion <i>Der kleine Godard</i> arbeitete er mit Regiekollegen wie <a href="Jean-Luc_Godard" title="Jean-Luc Godard">Jean-Luc Godard</a>, <a href="Hark_Bohm" title="Hark Bohm">Hark Bohm</a> und <a href="Rainer_Werner_Fassbinder" title="Rainer Werner Fassbinder">Rainer Werner Fassbinder</a> zusammen.
</p><p>Er zog 1968 nach West-Berlin, wo er einen Lehrauftrag an der <a href="Deutsche_Film-_und_Fernsehakademie_Berlin" title="Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin">Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin</a> erhielt. Mit dem ehemaligen Filmkritiker Jürgen Ebert gründete er die Firma <i>B-Pictures</i>. Er interessierte sich vor allem für die Verwendung von Zeitcodierung beim gleichzeitigen Drehen mit mehreren <a href="16-mm-Film" title="16-mm-Film">16-mm-Kameras</a> und den Einsatz des Digitaltons. Im Rahmen dieser Beschäftigung entstanden die Filme <i>Witzleben</i>, <i>Echtzeit</i> und <i>Krieg um Zeit</i>.
</p><p>Mit Beginn der 80er Jahre wurde es für Costard jedoch immer schwieriger, für seine Projekte die nötige Finanzierung zu bekommen. Er zog sich zwar nicht völlig aus der filmischen Arbeit zurück, widmete sich jedoch zunehmend auch anderen Themen, vor allem der sogenannten sun-machine, einer Maschine, die Sonnenenergie in nutzbare Energie umwandeln sollte.
</p><p>Costard starb im Juni 2000 an den Folgen einer Krebserkrankung. Seine letzte Produktion, der dokumentarisch gedrehte Spielfilm <i>Vladimir Günstig – Eine trojanische Affäre</i>, hatte er unvollendet hinterlassen. Sie wurde von seinem langjährigen Freund und Kameramann <a href="Bernd_Upnmoor" title="Bernd Upnmoor">Bernd Upnmoor</a> zu Ende geführt und postum im April 2004 im <a href="Westdeutscher_Rundfunk" class="mw-redirect" title="Westdeutscher Rundfunk">WDR</a> erstmals ausgestrahlt. Die Aufführung der Rohschnitt-Fassung fand auf Initiative seiner Freunde und Weggefährten bereits 2000 im Hamburger Kommunalen <i><a href="Metropolis_Kino" title="Metropolis Kino">Metropolis Kino</a></i> statt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Filmografie">Filmografie</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Kurzfilme">Kurzfilme</h3></div>
<ul><li><i>Tom ist doof</i> (1965)</li>
<li><i>Klammer auf, Klammer zu</i> (1966)</li>
<li><i>After Action</i> (1967)</li>
<li><i>Warum hast Du mich wachgeküßt?</i> (1967)</li>
<li><i><a href="Besonders_wertvoll" title="Besonders wertvoll">Besonders wertvoll</a></i> (1968)</li>
<li><i>Die Postkarte</i> (1969)</li>
<li><i>Der Elefantenfilm</i> (1971)</li>
<li><i>Ein Nachmittag mit Onkel Robert</i> (1975)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Langfilme">Langfilme</h3></div>
<ul><li><i><a href="Die_Unterdr%C3%BCckung_der_Frau_ist_vor_allem_an_dem_Verhalten_der_Frauen_selber_zu_erkennen" title="Die Unterdrückung der Frau ist vor allem an dem Verhalten der Frauen selber zu erkennen">Die Unterdrückung der Frau ist vor allem an dem Verhalten der Frauen selber zu erkennen</a></i> (1969)</li>
<li><i>Und niemand in Hollywood, der versteht, dass schon zu viele Hirne umgedreht wurden</i> (1970)</li>
<li><i>Fußball wie noch nie</i> (1970)</li>
<li><i>Teilweise von mir – Ein Volksstück</i> (1972–74)</li>
<li><i>Der kleine Godard an das Kuratorium Junger Deutscher Film</i> (1978)</li>
<li><i>Witzleben</i> (1980/81)</li>
<li><i>Echtzeit (Realtime)</i> (1981–83)</li>
<li><i>Krieg um Zeit</i> (1984/85)</li>
<li><i>Aufstand der Dinge</i> (1987–93)</li>
<li><i>Das Wunder von Chile</i> (1996)</li>
<li><i>Vladimir Günstig – Eine trojanische Affäre</i> (1994–2000, postum veröffentlicht)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Auszeichnungen">Auszeichnungen</h2></div>
<ul><li>1967/68: Exprmtl <a href="Knokke" class="mw-redirect" title="Knokke">Knokke</a>: Preis für <i>Warum hast Du mich wachgeküßt?</i></li>
<li>1969: <a href="Preis_der_deutschen_Filmkritik" title="Preis der deutschen Filmkritik">Preis der deutschen Filmkritik</a> für <i>Die Unterdrückung der Frau ist vor allem am Verhalten der Frauen selber zu erkennen</i></li>
<li>1972: <a href="Internationales_Filmfestival_Mannheim-Heidelberg" title="Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg">Filmfestival Mannheim</a>: Preis als bester Fernsehfilm für <i>Teilweise von mir</i></li>
<li>1974: Filmfestival <a href="Toulon" title="Toulon">Toulon</a>: Spezialpreis der Jury für <i>Teilweise von mir</i></li>
<li>1978: Preis der deutschen Filmkritik für <i>Der kleine Godard</i></li>
<li>1979: <a href="Fernsehfilmpreis_der_Deutschen_Akademie_der_Darstellenden_K%C3%BCnste" class="mw-redirect" title="Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste">Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste</a> für <i>Der kleine Godard</i></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><i>Die kritische Masse</i> (1998), Regie: Christian Bau. (Über Hellmuth Costard und die Hamburger Filmmacher Cooperative)</li>
<li><a href="Lars_Henrik_Gass" title="Lars Henrik Gass">Lars Henrik Gass</a>: Hellmuth Costard. Das Wirkliche war zum Modell geworden. Brinkmann und Bose, Berlin 2021. ISBN 978-3-940048-40-0.</li>
<li>Ann Harris: <i> Taking Time Seriously. Technology, Politics and Filmmaking Practice in the Films of Hellmuth Costard.</i> Doctoral Dissertation, Cinema Studies Department, New York University, January 1993</li>
<li><a href="Hans-Michael_Bock" title="Hans-Michael Bock">Hans-Michael Bock</a>: <i>Hellmuth Costard – Filmmacher.</i> Mit einem Essay von <a href="Dietrich_Kuhlbrodt" title="Dietrich Kuhlbrodt">Dietrich Kuhlbrodt</a>. In: <i><a href="CineGraph_%E2%80%93_Lexikon_zum_deutschsprachigen_Film" title="CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film">CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film</a></i>, Lieferung 1, 1984.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.filmportal.de/a11c17845fdb46759046a10206a0b415">Hellmuth Costard</a> bei <a href="Filmportal.de" title="Filmportal.de">filmportal.de</a><span style="display:none"> </span></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.deutsches-filmhaus.de/bio_reg/c_bio_regiss/costard_hellmuth_bio.htm">Biografie und Filmliste</a> (deutsches-filmhaus.de)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.goethe.de/ges/pok/dos/dos/wdp/kuk/de3010681.htm">„Filmemachen in West-Deutschland, 1968“</a> (Goethe-Institut)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.welt.de/print-welt/article518768/Hellmuth-Costard-war-der-kleine-Godard.html">„Hellmuth Costard war der kleine Godard“.</a> Nachruf (<i>Die Welt</i>)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.zeit.de/1968/14/besonders-wertvoll-nicht-in-oberhausen/komplettansicht"><i>Wie ein Film vom Programm der Westdeutschen Kurzfilmtage verschwand: Besonders wertvoll – nicht in Oberhausen.</i></a> In: <i><a href="Zeit.de" class="mw-redirect" title="Zeit.de">zeit.de</a>.</i> 5. April 1968,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 27. Januar 2024</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3AHellmuth+Costard&rft.title=Wie+ein+Film+vom+Programm+der+Westdeutschen+Kurzfilmtage+verschwand%3A+Besonders+wertvoll+%E2%80%93+nicht+in+Oberhausen&rft.description=Wie+ein+Film+vom+Programm+der+Westdeutschen+Kurzfilmtage+verschwand%3A+Besonders+wertvoll+%E2%80%93+nicht+in+Oberhausen&rft.identifier=https%3A%2F%2Fwww.zeit.de%2F1968%2F14%2Fbesonders-wertvoll-nicht-in-oberhausen%2Fkomplettansicht&rft.date=1968-04-05"> </span></span>
</li>
</ol>
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